Ämtergänge vor und nach der Geburt
Elternratgeber

Ämtergänge vor und nach der Geburt

Kurz vor der Geburt nehmen Stress und Nervosität meist automatisch zu. Umso wichtiger ist es daher, dass Sie sich so gut organisiert wie möglich auf die Geburt Ihres kleinen Sonnenscheins vorbereiten. Auf diese Weise können Sie den Stresslevel so niedrig wie möglich halten und müssen sich nicht noch mit zusätzlichen Dingen auseinandersetzen. Wie so oft gilt auch hier: Gute Planung ist die halbe Miete. Wir haben daher für Sie alle wichtigen Ämtergänge und die optimalen Zeitpunkte für diese zusammengefasst.

Ämtergänge vor der Geburt

Elternzeit beantragen

Elternzeit betrifft berufstätige werdende Eltern und dauert maximal drei Jahre. Sie kann sowohl von der Mutter als auch von Mutter und Vater gemeinsam oder auch nacheinander genommen werden. Darüber hinaus ist es auch möglich, während der Elternzeit bis zu 30 Stunden Teilzeit zu arbeiten. Sie können die Ihnen zustehende Elternzeit auch aufteilen, anstatt sie in einem Stück zu nehmen. Für die Elternzeit gilt: Beantragen Sie diese spätestens sieben Wochen, bevor die Elternzeit beginnen soll. Am besten ist es, Sie wissen so früh wie möglich, wann Sie in die Elternzeit gehen wollen, denn dann können Sie den Antrag bereits frühzeitig einreichen. In diesem müssen Sie bereits angeben, wie die ersten 24 Monate Ihrer Elternzeit gestaltet sein sollen. Bis spätestens acht Wochen vor Ablauf dieser ersten Phase der Elternzeit müssen Sie bestimmen, wie Sie weiter vorgehen möchten. Wichtig: Absprachen mit Ihrem Vorgesetzten sollten immer schriftlich erfolgen, um Unklarheiten und unnötige Diskussionen von vornherein zu vermeiden.

Mutterschaftsgeld beantragen

Das Mutterschaftsgeld müssen Sie bis spätestens sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Die Einhaltung dieser Frist ist überaus wichtig, da die Krankenkasse bei ihrer Überschreitung eine Zahlung des Mutterschaftsgeldes verweigern kann. Sie finden hierzu meist ein entsprechendes Formular auf der Website Ihrer Krankenkasse. Sollte dies nicht der Fall sein, reicht auch eine formlose E-Mail oder ein formloser Brief. Diesen sollten Sie unbedingt eine von Ihrem Gynäkologen verfasste Bestätigung über Ihre Schwangerschaft beifügen.

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Ämtergänge nach der Geburt

Geburtsurkunde

Die Geburtsurkunde Ihre Kindes wird innerhalb einer Woche nach der Geburt auf dem Standesamt ausgestellt. In einigen Kliniken übernimmt auch das Sekretariat die Anmeldung beim Standesamt. Auf jeden Fall brauchen Sie dafür Folgendes:

  • einen gültigen Reisepass oder Personalausweis von Ihnen sowie dem Vater des Kindes
  • bei verheirateten Paaren die Heiratsurkunde
  • bei unverheirateten Paaren Ihre Geburtsurkunde
  • falls bereits vorhanden, die Sorge- und Vaterschaftserklärung sowie die Geburtsurkunde des Vaters
  • je nach Art der Geburt eine ärztliche Bescheinigung oder eine Bescheinigung der Hebamme

Sie erhalten vier Ausfertigungen der Geburtsurkunde. Eine benötigen Sie für den Antrag des Elterngeldes, eine für die Beantragung des Kindergeldes und zwei können Sie behalten.

Einwohnermeldeamt

Sobald die Geburtsurkunde ausgestellt wurde, muss die Anmeldung beim zuständigen Einwohnermeldeamt erfolgen. Für diese benötigen Sie:

  • die Geburtsurkunde
  • einen gültigen Reisepass oder Personalausweis
  • eine Vaterschaftsanerkennung bei unehelichen Kindern

Für einen Wechsel der Steuerklasse und den Kinderfreibetrag ist das Finanzamt zuständig. Daher müssen Sie sich hierfür direkt an dieses wenden.

Angabe des Nachnamens

Welchen Nachnamen Ihr Kind erhält, hängt grundsätzlich vom vereinbarten Sorgerecht ab. Sollte nur ein Elternteil das Sorgerecht haben, erhält das Kind automatisch dessen Nachnamen. Bei gemeinsamem Sorgerecht, jedoch unterschiedlichen Nachnamen, müssen Sie einen Monat nach der Geburt Ihres Kindes dessen gewünschten Nachnamen beim Standesamt eintragen lassen. In allen Fällen gilt: Willigen beide Elternteile ein, kann das Kind grundsätzlich auch den Nachnamen des anderen Elternteils annehmen.

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Kindergeld beantragen

Da für Kindergeld die Geburtsurkunde nötig ist, können Sie dieses auch erst nach der Geburt beantragen. Dieses wird zwar rückwirkend auf ein halbes Jahr bezahlt, dennoch sollten Sie den Antrag so schnell wie möglich nach der Geburt stellen. Am besten ist es daher, dass Sie alles so gut wie möglich bereits vor der Geburt vorbereiten, und danach nur mehr die Geburtsurkunde hinzufügen. Der Antrag auf Kindergeld muss beim Arbeitsamt oder der Familienkasse gestellt werden, Formulare hierfür gibt es meist zum Downloaden. Übrigens: Sie erhalten für das erste Kind 184 Euro, für das zweite Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro.

Elterngeld beantragen

Elterngeld wird rückwirkend auf maximal drei Monate bezahlt, daher sollten Sie den Antrag auf dieses auch so schnell wie möglich nach der Geburt stellen. Für den Antrag benötigen Sie:

  • die Geburtsurkunde
  • einen Nachweis über das Einkommen des letzten Jahres für alle Personen, die Elterngeld beantragen
  • ein von Ihrem Arbeitgeber ausgefülltes Formblatt
  • einen Nachweis über bereits vorhandene Kinder unter drei Jahren, damit Sie den Elternbonus von 75 Euro erhalten

Wollen Sie und Ihr Partner Elterngeld beantragen, müssen Sie dies im Antrag angeben. Sie erhalten dann 14 Monate lang Elterngeld. Beantragt nur einer von ihnen Elterngeld, gibt es dieses für 12 oder 24 Monate. Bei einer Laufzeit von 24 Monaten erhalten Sie monatlich jedoch nur den halben Betrag, sodass im Endeffekt stets die selbe Summe herauskommt.

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Krankenversicherung anmelden

Ihr Kind ist aber seiner Geburt automatisch krankenversichert. Dennoch müssen Sie es innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt schriftlich bei Ihrer Krankenkasse anmelden. Eine Versicherung bei einer gesetzlichen Krankenkasse ist kostenlos, bei einer privaten Krankenkasse werden hingegen Beiträge fällig. Ist ein Elternteil gesetzlich und ein Elternteil privat versichert, kann das Kind nicht kostenlos gesetzlich versichert werden, wenn der privat versicherte Elternteil über das höhere Einkommen – über 3375 Euro monatlich – verfügt.

Ämtergänge vor oder nach der Geburt

Angabe der Vaterschaft

Bei unverheirateten Paaren muss der Vater beim Jugendamt, Standesamt, Amtsgericht oder auch Notar die Vaterschaft anerkennen lassen. Dafür benötigt er:

  • seine Geburtsurkunde
  • einen gültigen Reisepass oder Personalausweis; wenn die Mutter anwesend ist auch von ihr
  • ist die Mutter nicht anwesend: eine Zustimmung der Mutter

Sorgerecht

Verheiratete Paare teilen sich das Sorgerecht automatisch, bei unverheirateten fällt dieses automatisch der Mutter zu. Mit Zustimmung der Mutter kann der Vater jedoch beim Jugendamt ebenfalls das Sorgerecht beantragen. In diesem Fall entspricht das Sorgerecht jenem verheirateter Paare. Grundsätzlich unterscheidet man drei Teilbereiche des Sorgerechts:

  • Personensorge: Erziehung, Betreuung und Pflege des Kindes sowie Schul- und Ausbildung
  • Vertretungsrecht: Wahrung der Interessen des Kindes gegenüber Dritten
  • Vermögenssorge: Verwaltung des Vermögens und Besitzes des Kindes, ausgenommen Taschengeld

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Ämtergängen vor und nach der Geburt? Diskutieren Sie mit anderen LeserInnen im Kommentarbereich!

Bildquelle Titelbild: ©Petar Chernaev – iStock

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4 Kommentare

  • Antwort Juli 25. Oktober 2016 at 22:22

    Die Zusammenfassung ist sehr hilfreich, welche Gänge zu den Ämtern vor und nach der Schwangerschaft notwendig werden. Nicht immer hat man hier als Eltern einen guten Überblick. Nach Lesen dieses Blogartikels ändert sich das immer. Vielen Dank.

  • Antwort Maike 18. Dezember 2016 at 22:09

    Wirklich sehr hilfreich, bin gerade im 6. Monat…Geburtstermin ist der 3.3.17 :)

  • Antwort Laura 5. Mai 2017 at 10:12

    Ganz tolle Infos. Insbesondere wenn man das erste Kind erwartet, gibt es ja doch einige Fragen, die in diesem Bereich aufkommen.

  • Antwort Sina Schwab 4. September 2017 at 17:15

    Danke für diese Informationen, die zum Teil meiner Checkliste werden. Gerade beim ersten Kind scheinen die Formalitäten vor und nach der Geburt eines Kindes erstmal endlos zu sein. Diese einmal Punkt für Punkt zu sehen hilft sich auch auf diese Pflichten der Elternschaft einzustellen.

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