Meilensteine der Babyentwicklung. Ihr Kind lernt sprechen.
Meilensteine

Meilensteine: Ihr Kind lernt zu Sprechen

Michaela ist seit drei Monaten stolze Mutter des kleinen Matthias. Sie könnte fast vor Glück zerspringen, wenn sie daran denkt, dass ihr kleiner Matthias bald seine ersten Worte sprechen wird. Von befreundeten Paaren, die bereits Kinder haben, weiß sie, dass es vom ersten Wort bis zum sprudelnden Erzählfluss des Kindes kein weiter Weg ist, denn schließlich vergrößert der Sprössling jeden Tag sein Vokabular. Aus den Erzählungen und Erfahrungen anderer Eltern weiß sie, dass ein Kind mit etwa vier Jahren flüssig sprechen sollte. Michaela hat natürlich auch etwas Sorge, ob dies bei ihrem kleinen Matthias auch der Fall sein wird.

Die ersten Monate Ihres Babys: Keine großen Reden

In der Bibel erfahren wir, dass am Anfang das Wort war. Bei Kindern trifft dies jedoch nicht ganz zu, denn ehe die ersten Worte über ihre Lippen kommen, werden sie sich durch Lautbildungen verständlich machen wollen. Ein Säugling fängt damit bereits in den ersten Lebensmonaten an. Müdigkeit, Schmerz, Hunger oder andere Bedürfnisse werden bereits sehr früh durch Schreien, Wimmern oder Glucksen kommuniziert.

Babysprache: Der Ton macht die Musik

Der Großteil der Mütter erkennt bereits am Tonfall des Schreiens, welches Bedürfnis ihr Baby ihr mitteilen möchte. So entwickelt das Baby sehr schnell eine Vielzahl an Geräuschen in seiner eigenen Babysprache. Fällt die Reaktion der Eltern auf den jeweiligen Laut für das Kind wünschenswert aus, wird es das Geräusch, das ihm zur Bedürfnisbefriedigung verholfen hat, in der Folge wiederholen. Somit sind Baby und Eltern bald ein eingespieltes Team, das sich auch ohne große Worte miteinander verständigen kann.

Nach sechs Monaten: Das Baby beginnt zu brabbeln

Im Alter von vier bis sechs Monaten wird das Baby normalerweise damit beginnen zu brabbeln. Es entdeckt auf spielerische Weise Schnalzgeräusche, experimentiert mit verschiedenen Lauten und beginnt damit, am »Lautstärkeregler« seiner Stimme zu spielen.

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Zwar ergeben die willkürlich aneinandergereihten Laute beim Baby noch keinen wirklichen Sinn, jedoch stört dies die Eltern in der Regel nicht weiter. Mit etwas Fantasie kann man tatsächlich bei dem einen oder anderen Brabbellaut der Babysprache eine sprachliche Absicht vermuten. Was Sie als Eltern jedoch für bare Münze nehmen dürfen: Kinder in einem Alter von etwa einem halben Jahr hören bereits aufmerksam zu und ahmen eifrig nach, auch wenn dabei in der Regel lediglich Wiederholungen von Silben auftreten, die willkürlich aneinandergereiht sind. Das Ergebnis ist das berühmte „Dadada“ – Die Fachwelt nennt dies übrigens nicht Babysprache, sondern „kanonisches Lallen“.

Nach einem Jahr: Was wird das erste Wort sein?

Gespannt dürfen Eltern sein, wenn das Kind seinen ersten Geburtstag gefeiert hat. Dann ist das erste gesprochene Wort des Kleinkindes in der Regel nicht mehr weit entfernt. Ein- oder zweisilbige Worte sind das erste, was aus einem Kindermund kommt. Besonders einfach für Kinder sind am Anfang natürlich Worte, die aus denselben Silben bestehen, wie etwa die Klassiker „Papa“ oder „Mama“. Die Freude der Eltern über das erste Wort des Kleinkindes wird es umso mehr motivieren, weitere Wörter zu lernen.

Mit 1,5 bis 2 Jahren: Der Wortschatz wächst explosionsartig

Mit 1,5 bis 2 Jahren lernt ein Kind durchschnittlich ein Dutzend Wörter und mehr an einem Tag. Der Wortschatz der Kleinen erweitert sich zunächst um verschiedene Substantive und nach und nach werden die ersten kleinen Sätze, bestehend aus zwei Worten, folgen. »Bär müde« oder »Papa kommen« können Beispiele für die ersten kleinen Sätze des Kleinkindes sein. Typische Babysprache wird immer seltener auftreten.

In einem Alter von etwa zwei Jahren lernen Kinder, sich selbst als Person wahrzunehmen und in ihre Sätze zu integrieren. Entsprechend werden Fürwörter und Possessivpronomen den Wortschatz des Kindes erweitern. Wenn Ihr Kind seinen Unmut über einen leeren Magen mit den Worten „Ich habe Hunger“ zum Ausdruck bringt, wissen Sie nicht nur, dass Ihr Sprössling „Kohldampf schiebt“, sondern auch dass es sich sprachlich auf einem guten Weg befindet.

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Mit drei Jahren: Richtige Unterhaltungen sind möglich

Ab einem Alter von drei Jahren fällt Ihrem Kind eine fließende Unterhaltung nicht mehr allzu schwer. Babysprache ist spätestens ab diesem Zeitpunkt endgültig Geschichte. Ab diesem Alter können Kinder gezielt Fragen beantworten, selbst Fragen stellen und vergleichsweise komplexe Satzgebilde verstehen. Zudem erkennen sie ab diesem Alter, wie sich verschiedene Satzbetonungen nutzen lassen, um ein Bedürfnis oder einen Gefühlszustand angemessen auszudrücken.

Bei Sprachproblemen zum Kinderarzt?

Diese angegebene Chronologie der Sprachentwicklung ist natürlich als Paradebeispiel zu verstehen. Bei jedem Kind können die einzelnen Episoden der Sprachentwicklung langsamer oder schneller vonstattengehen. Während die einen Kinder mit zwölf Monaten bereits wild in Babysprache reden, sind andere Kinder mit zwei Jahren noch recht ruhige Gesellen. Erst einmal besteht hierbei kein Grund zur Sorge. Als Eltern sollten Sie Geduld mit Ihrem Kind haben und ihm die Chance geben, das Sprechen gemäß seiner eigenen Geschwindigkeit zu entwickeln.

In manchen Fällen kann jedoch der Gang zum Kinderarzt unvermeidlich sein. Wenn das Kind beispielsweise bereits im Säuglingsalter Hörschäden haben sollte, kann dies dazu führen, dass es Worte seiner Umgebung gar nicht oder nur unzureichend zur Kenntnis nehmen kann. In diesem Fall kann es die Worte seiner Umgebung nicht wahrnehmen, wodurch es keine Möglichkeit hat, diese Worte selbst nachzubrabbeln. Dies verlangsamt die Sprachentwicklung des Kindes natürlich deutlich.

Die gute Nachricht für alle besorgten Eltern: Bei rechtzeitiger Hilfe können Kinder Verzögerungen bei der Sprachentwicklung sehr schnell wieder aufholen.

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Übrigens: Auch wenn Ihr Kind stottert, muss dies nicht bedeuten, dass es lebenslang mit diesem sprachlichen Defizit fertig werden muss. In manchen Fällen sind die Kleinen so aufgeregt, wenn sie etwas erzählen möchten, dass ihr Mund die Worte nicht so schnell sprechen kann, wie ihr Kopf sie produziert. Experten raten, dass Eltern in jedem Fall Rat von einem Spezialisten einholen sollten, wenn das Kind mit etwa fünf Jahren immer noch mit deutlichen Stotterproblemen zu kämpfen hat.

Die Sprachentwicklung des Kindes konstruktiv fördern

Vorleben ist generell die beste Möglichkeit, um die Sprachentwicklung des Kindes zu fördern. Dies bedeutet konkret: Lesen Sie Ihrem Kind eine Geschichte vor, beziehen sie es in Gespräche mit ein und reden Sie einfach so viel wie möglich mit Ihrem Kind. Jedes Kind hat Freude daran, die Möglichkeiten der Sprache zu entdecken und wird immer selbstständiger und mutiger beim Nachahmen zu werden, je mehr Worte es hören und erleben wird. Bei Kinderliedern und Reimen werden Kinder ein Gespür für die sprachliche Melodie entwickeln.
Ganz wichtig: Kritisieren Sie Ihr Kind nicht immer sofort, wenn es beispielsweise einmal ein Wort falsch sagt. Letztlich wirkt dies frustrierend auf das Kind und destruktiv auf seine Sprachentwicklung. Ermutigen Sie stattdessen Ihren Sprössling und vertrauen Sie darauf, dass ihm nach und nach die richtige Aussprache ganz automatisch gelingen wird.

Nun sind Sie an der Reihe: Geht es Ihnen auch so wie der anfangs beschriebenen Michaela? Können Sie die ersten Worte Ihres Kindes gar nicht mehr erwarten? Vielleicht haben Sie aber auch schon Kinder, die bereits sprechen können? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit, wie sich das Sprechen bei Ihrem Kind entwickelt hat. Wir sind gespannt auf Ihre Berichte.

Bildquelle Titelbild: © Alexandr Vasilyev – Fotolia.com

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