Die U-Untersuchungen bei Neugeborenen anschaulich erklärt
Gesundheit

Die U-Untersuchungen bei Neugeborenen anschaulich erklärt

In den ersten sechs Lebensjahren stehen insgesamt zehn Untersuchungen (U1 bis U9, inkl. U7a) auf dem Programm, in denen Sinnes-, Atmungs- und Verdauungsorgane, Skelett und Muskulatur und angeborene Stoffwechselstörungen untersucht sowie mögliche Entwicklungs- und Verhaltensstörungen festgestellt werden können. Diese U-Untersuchungen wirken für viele frischgebackene Eltern auf den ersten Blick verwirrend. Sie möchten einschätzen können, wie wichtig sie sind, wann sie genau stattfinden und was sich im Einzelnen dahinter verbirgt. Damit du keinen Termin verpasst und gut darüber informiert bist, haben wir für dich in den folgenden Abschnitten die wichtigsten Untersuchungen zusammengefasst. Beim Lesen wirst du schnell feststellen, dass es gar nicht so kompliziert ist, wie es zunächst erscheint. Mit etwas Organisationsgeschick und einem gut geführten Terminkalender wirst du diesen wichtigen Bestandteil der frühkindlichen Präventivmaßnahmen problemlos meistern.

Eine gesunde Entwicklung in der Kindheit als wesentlicher Baustein für ein langes, erfülltes Leben – ein Einstieg

Der Sinn und Zweck medizinischer Kontrolluntersuchungen in der Kinder- und Jugendzeit muss an dieser Stelle sicherlich nicht ausführlich erläutert werden. Gerade in dieser wichtigen Phase ist es von großer Bedeutung, regelmäßig zu überprüfen, ob sich dein Kind gesund entwickelt. Schließlich können nur auf diese Weise eventuelle Defizite erkannt und die erforderlichen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Entsprechend beschränken sich die U-Untersuchungen keinesfalls nur auf die frühkindliche Entwicklung, sondern erstrecken sich bis zum 16. bzw. 17. Lebensjahr. 

Der Inhalt jeder Untersuchung hängt von dem Alter des Kindes ab. Die Untersuchungsergebnisse werden in dem gelben Kinderuntersuchungsheft dokumentiert, in dem seit Januar 2017 neu auch Untersuchungen von Stoffwechsel- und Hormonstörungen, Sauerstoffsättigung und Stuhlcharakteristika sowie Beratungsleistungen des Arztes im Hinblick auf wichtige Themen wie „Impfen“, „UV-Schutz“ und „Prävention von Übergewicht“ vorgesehen sind. Ebenfalls unentbehrlich erweist sich der Impfpass, welchen du unbedingt bei jeder U-Untersuchung dabeihaben solltest, damit dein Arzt bei Bedarf gleich die erforderlichen Impfungen geben kann. 

U1 – die erste Untersuchung nach der Geburt deines Kindes

Hat dein Kind das Licht der Welt erblickt, werden sofort einige grundlegende Untersuchungen durchgeführt, um die Entwicklung deines Neugeborenen zu beurteilen. Dazu zählen unter anderem das Erfassen von Gewicht, Größe sowie Kopfumfang des Neuankömmlings. Zudem werden der Puls, die Atemtätigkeit, die Reflexe sowie der Säuregehalt des Blutes deines Babys getestet, um eine klare Aussage über seinen Gesundheitszustand treffen zu können. Zu den speziellen Früherkennungsuntersuchungen gehören weiterhin die Bestimmung des Sauerstoffgehalts im Blut (Pulsoximetrie-Screening), die Untersuchung auf angeborene Hormon- und Stoffwechselstörungen und eine funktionierende Immunabwehr über eine Blutprobe (erweitertes Neugeborenen-Screening) und die Untersuchung auf Mukoviszidose – eine angeborene Störung der Schleimdrüsen, die ohne Behandlung zur Beeinträchtigung der Lunge und der Verdauungsorgane führt. Auch das Gehör wird mittels des sogenannten Neugeborenen-Hörscreenings kontrolliert. Außerdem werden deinem Kind im Rahmen der präventiven Maßnahmen Vitamin K-Tropfen verabreicht, um die Entstehung einer Blutgerinnungsstörung zu verhindern.

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Die zweite U-Untersuchung zwischen dem 3. und 10. Lebenstag

Es ist wichtig, dass du mit deinem Baby die U-Untersuchung Nummer 2 möglichst bis zum 10. Lebenstag in Anspruch nimmst (spätestens jedoch bis zum 14. Lebenstag). Versäumst du diese Frist, musst du die Kosten ggf. selbst tragen. Die U2 weist keine wesentlichen Unterschiede zu der U1 auf. Entsprechend erfolgt erneut eine Messung von Gewicht und Größe sowie eine weitere Dosis Vitamin K. Zudem kommt es zu einer erneuten eingehenden körperlichen Untersuchung, welche unter anderem Blut, Stuhlgang und Haut umfasst. Eine genaue Begutachtung der Haut dient vor allem dazu, die häufig bei Neugeborenen auftretende Gelbsucht auszuschließen. Zwar ist diese in der Regel harmlos, eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann jedoch eine eventuelle Eskalation verhindern. Die Bluttests erfolgen in der Regel über eine Blutentnahme an der Ferse und dienen dazu, eventuelle hormonelle Störungen oder Stoffwechselerkrankungen festzustellen. Ähnliches gilt für die Körperhaltung und hier insbesondere die Position der Hüfte. Fehlstellungen können so ebenfalls rechtzeitig erkannt und behoben werden. Wie bei allen Untersuchungen gilt auch hier, dass du dich im Anschluss an die Tests mit allen Fragen oder Unsicherheiten an deine Kinderärztin bzw. deinen Kinderarzt wenden kannst. Zu den häufigsten Themen zählen dabei allgemeine Vorsorgemaßnahmen sowie die eventuelle zusätzliche Verabreichung von Vitaminen und Mineralien, darunter beispielsweise Vitamin D.

U3 und U4 – weitere Basisuntersuchungen bis zum vierten Lebensmonat

Auch die folgenden Untersuchungen dienen der Bestimmung des Wachstums sowie der Feststellung eventueller Beschwerden oder Mängel. Die U3 findet von der vierten bis zur fünften Lebenswoche statt. Wieder werden Größe und Gewicht gemessen, die Organe und Körperfunktionen untersucht und die Reflexe getestet. Doch auch Körperhaltung, Hörvermögen und Sehkraft stehen im Zentrum dieser Untersuchung. Zudem wird das Hüftgelenk mit Ultraschall auf Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen hin untersucht. Im Anschluss an die U-Untersuchung kannst du dein Kind (ab dem zweiten Monat) impfen lassen. In der U4, welche zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat durchgeführt wird, kommt es erneut zu einer Untersuchung von Organen, Reflexen, Gehör und Sehvermögen. Auch Kopfumfang, Größe und Gewicht werden gemessen. Mit verschiedenen Tests werden die Beweglichkeit und das Reaktionsvermögen des Säuglings untersucht.

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Der sechste bis siebte Lebensmonat im Zeichen der Wahrnehmungsfähigkeit

Die U5 findet idealerweise zwischen 6. und 7. Lebensmonat, jedoch frühestens ab dem 5. Lebensmonat und spätestens bis zum 8. Lebensmonat statt. Abgesehen von den bereits bekannten Untersuchungen unterscheidet sich die U5 von ihren Vorgängerinnen aufgrund einer neuen Schwerpunktsetzung. Im Zentrum steht dabei vor allem die Wahrnehmung deines Babys zusammen mit seiner Reaktionsfähigkeit. Mit verschiedenen Tests werden seine Beweglichkeit und seine Körperbeherrschung überprüft und die Sehkraft und das Gehör überprüft. Doch auch das Denkvermögen ist zunehmend Gegenstand der Untersuchung. Ein wichtiger Aspekt in diesem Kontext ist das Maß an Aufnahme- und Kommunikationsfähigkeit. Schließlich handelt es sich hier um die Phase, in der dein Kind vielleicht zum ersten Mal versucht, sich in Form von Lauten zu artikulieren und auf diese Weise eine Verbindung zu seinem Umfeld herzustellen.

Die U6 zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat

Die U6 wird häufig als eine Art Abschluss der frühkindlichen Phase angesehen. Bis zum ersten Lebensjahr können Kinder meist erste Wörter wie ‚Mama‘ und ‚Papa‘ sagen. Zudem sind sie in der Lage, ohne Hilfe zu stehen. Inwieweit sich diese Entwicklungen auch bei deinem Kind zeigen, wird in der U6 – neben den aus der Vergangenheit bekannten Messungen und Tests – überprüft. Nach Abschluss der sechsten Untersuchung besteht die Option der Impfung gegen Windpocken, Röteln, Masern und Mumps.

U7 bis U9 als Vorbereitung für den Schulalltag

Die U7, U8 und U9 finden in der Kleinkindphase statt, d.h. bevor dein Kind in die Schule kommt. Dabei ist die U9 die umfangreichste Untersuchung. Sie soll zwischen dem 60. und 64. Lebensmonat, d.h. mit etwa fünf Jahren, vorgenommen werden. Dabei wird u.a. auch der Blutdruck gemessen. Neben den allgemeinen Untersuchungen der Organfunktionen werden das Sehvermögen sowie die grob- und feinmotorische Entwicklung überprüft. Aber auch die Körperhaltung, die Fußstellung sowie die geistige, seelische und soziale Entwicklung stehen bei der U9 im Vordergrund. Über verschiedene Tests werden das Sprachvermögen, das Sozialverhalten und die Intelligenz des Kindes beurteilt. Zudem erinnert der Arzt die Eltern an die Auffrischungsimpfungen vor der Einschulung und an die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen.

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U10 bis U11 – Vorsorge im Schulalter

Um deinem Kind auch in der Schulzeit eine optimale Entwicklung ermöglichen zu können, werden weiterführend die U10 und die U11 empfohlen. Die U10 findet im Alter von sieben bis acht Jahren statt. Schwerpunkte dieser neueren Vorsorgeuntersuchung sind das Erkennen von eventuellen Entwicklungsstörungen (wie z.B. Lese-Rechtschreib-Rechenstörungen) und von Störungen der motorischen Entwicklung und Verhaltensstörungen (z.B. ADHS), die oft erst nach dem Schuleintritt deutlich werden. Diese zusätzliche Vorsorgeuntersuchung wird nicht von allen Krankenkassen erstattet. 

Die U11 richtet sich speziell auf das Alter zwischen neun bis zehn Jahren aus. Sie dient u.a. dem Erkennen von Schulleistungsstörungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, aber auch der Bewegungs- und Sportförderung. Problematischer Umgang mit Suchtmitteln soll erkannt und gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützt werden, z.B. mit Hilfe von Ernährungs-, Bewegungs-, Stress-, Sucht- und Medienberatung – je nach Bedarf. Weiterer Bestandteil der U11 ist das Eingehen auf vorhandene Zahn-, Mund- und Kieferanomalien. Auch die U11 wird nicht von allen Krankenkassen erstattet. Informiere dich daher am besten bei deinem Kinderarzt.

Vorsorgeuntersuchungen zum Wohle deines Kindes 

Bis zum Vorschulalter deines Kindes solltest du das Angebot der Vorsorgeuntersuchungen in jedem Fall nutzen und den umfangreichen Gesundheitscheck ausnahmslos wahrnehmen. Nur so kannst du sicherstellen, dass dein Kind keinerlei Auffälligkeiten oder Störungen aufweist, sondern sich normal entwickelt. Ist dies nicht der Fall, hast du mit den U-Untersuchungen die Möglichkeit, frühzeitig die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um dein Kind in seiner individuellen Entwicklung bestmöglich zu fördern. 

Du möchtest keine U-Untersuchung verpassen? Um die genauen Zeiträume in Erfahrung zu bringen, kannst du ganz einfach den Terminrechner für U-Untersuchungen nutzen. Nach Eingabe des Geburtsdatums deines Kindes erfolgt eine Aufführung sämtlicher wichtiger Termine. Oder du rufst in deiner Kinderarztpraxis und fragst dort nach, welche U-Untersuchung als nächstes für dich und dein Kind ansteht. 

Bildquelle Titelbild: ©bluecinema – iStock.com

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